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RSL Momentum vs. S&P 500: Ein systematischer Backtest über 30 Jahre

Schlägt die Relative Stärke nach Levy (RSL) Buy & Hold? Eine quantitative Analyse über 30 Jahre Markthistorie – inkl. Regime-Filter, Drawdowns und Sharpe Ratio.

15. Juli 2026 · 12 min Lesezeit

Momentum-Strategien gehören zu den am besten dokumentierten Anomalien in der Kapitalmarktforschung. Bereits 1967 legte Robert A. Levy mit seiner Arbeit “Relative Strength as a Criterion for Investment Selection” eine empirische Grundlage: Aktien, die über einen mittelfristigen Zeitraum relativ stark gestiegen sind, neigen dazu, diese Outperformance kurzfristig fortzusetzen. Levy widersprach damit der damals dominanten Random-Walk-Hypothese.

Wie bereits im ThetaClub-Konzept als Hypothese skizziert, handeln wir dieses Modell mittlerweile als experimentellen Satelliten live mit Echtgeld. Die dort dokumentierte Live-Rendite deckt sich für den Zeitraum YTD 2026 weitgehend mit der hier im Backtest ermittelten Performance.

Dieser Artikel dokumentiert den zugrundeliegenden Backtest des RSL-Algorithmus auf dem S&P-500-Index über mehr als 30 Jahre: Was liefert das Modell langfristig, und unter welchen Bedingungen funktioniert es?

Funktionsweise der RSL-Strategie

Der RSL-Wert einer Aktie beschreibt ihre Kursperformance relativ zum eigenen gleitenden Durchschnitt. In dieser Implementierung wird der einfache gleitende Durchschnitt der letzten 26 Wochen (SMA 26) auf Wochenbasis berechnet. Anschließend werden alle Aktien im S&P-500-Index nach ihrem RSL-Wert absteigend sortiert.

Kernregeln (angelehnt an Eichhorn Coaching):

  • Berechnung: RSL = aktueller Kurs / SMA(26 Wochen), berechnet auf Wochenbasis
  • Ranking: Alle S&P-500-Komponenten werden wöchentlich nach RSL absteigend sortiert (Survivorship-Bias-bereinigt). (Hier wird eine aktuelle RSL-Ranking Liste des S&P-500 veröffentlicht.)
  • Handelsfrequenz: Käufe und Verkäufe ausschließlich montags zur Eröffnung
  • Portfoliogröße: 5 gleichgewichtete Positionen (je 20 % des Kapitals)
  • Verkaufssignal: Eine Position wird liquidiert, sobald ihr RSL-Rang unter die Top-25 % des Index fällt

Ergänzende Regeln aus der Backtest-Entwicklung (siehe Appendix für die Isolations-Analyse):

  • Sektor-Diversifikation (GICS): Pro GICS-Sektor sind maximal 2 Positionen erlaubt. Diese müssen sich innerhalb der absoluten Top-20-Ränge befinden, um die Sektor-Beschränkung zu aktivieren.
  • Momentum-Loss-Stop: Verliert eine Position ab Einstieg 25 % ihres RSL-Wertes, wird sie vorzeitig verkauft – unabhängig vom aktuellen Rang.
  • Regime-Filter: Bei aktivem Bärenmarkt-Regime (Regime = Rot, ermittelt über einen globalen Z-Score-Indikator) werden frei werdende Positionen nicht neu besetzt. Das Portfolio baut sich schrittweise in Cash ab.

Ergebnisse

Der Backtest umfasst 501 abgeschlossene Trades über 31 Jahre (ab 1995, um die initiale 26-Wochen-Historie aufzubauen). Die folgende Tabelle zeigt die zentralen Kennzahlen im Vergleich zu einem passiven S&P 500-Investment.

KennzahlRSL-StrategieS&P 500 (Buy & Hold)
Startkapital$20.000$20.000
Endkapital$96.526.688~$295.000
CAGR30,97 %11,16 %
Max. Drawdown−43,11 %−55,19 %
Negative Jahre5 von 326 von 32
RSL neg. / S&P 500 pos.2–
Sharpe Ratio0,77–
Sortino Ratio3,65–
MAR Ratio0,72–
Win Rate48,30 %–
Profit Factor1,53–

Einordnung

Die langfristige Outperformance gegenüber dem Index ist quantitativ erheblich – sie hat jedoch eine spezifische Struktur, die für die Praxistauglichkeit entscheidend ist.

1. Performancetreiber: Ausreißer-Jahre

Die CAGR von rund 31 % ist kein gleichmäßiger Jahresdurchschnitt. Die Renditeverteilung ist stark rechtsschief: Wenige Jahre mit Renditen von teils über 50 % tragen den Großteil der Gesamtperformance. In Jahren ohne ausgeprägte Momentum-Phasen fällt die Strategie hinter den S&P 500 zurück.

2. Win Rate unter 50 %

Mit einer Win Rate von 48,3 % endet mehr als jeder zweite Trade mit einem Verlust. Das System ist dennoch profitabel, weil der Profit Factor von 1,53 zeigt, dass Gewinntrades die Verlusttrades im Durchschnitt überkompensieren. Dies entspricht dem typischen Profil von Trendfolgeansätzen: häufige kleine Verluste, seltene große Gewinne.

3. Phasen relativer Underperformance

In 2 von 31 Jahren erzielte die Strategie einen negativen Jahresertrag, während der S&P 500 positiv abschloss. Darüber hinaus gibt es weitere Jahre, in denen Buy & Hold die Strategie übertrifft – insbesondere in Phasen, die von wenigen marktkapitalisierungsstarken Einzelwerten dominiert werden.

Da der S&P 500 marktkapitalisierungsgewichtet ist und das RSL-Portfolio gleichgewichtet und auf 5 Werte konzentriert ist, entsteht ein strukturelles Risiko: Wenn wenige Mega-Cap-Titel die Indexrendite treiben, ohne die höchsten RSL-Ränge zu belegen, verliert das Modell gegen den Benchmark.

Fazit

Der RSL-26-Algorithmus liefert über den gesamten Betrachtungszeitraum eine deutliche Outperformance gegenüber dem S&P 500. Diese Outperformance hat eine klare Quelle: konzentriertes Momentum-Exposure in wenigen Titeln, kombiniert mit einem Regime-Filter, der in Bärenphasen Verluste begrenzt.

Die Strategie eignet sich nicht für Anleger, die eine stetige, vorhersehbare Jahresrendite erwarten. Sie erfordert die Bereitschaft, häufige Verlusttrades zu akzeptieren, Phasen relativer Underperformance gegenüber dem Index zu tolerieren und die Regeln auch in schwierigen Marktphasen konsequent umzusetzen.


Appendix

Sensitivitätsanalyse der Zusatzregeln

Um die Wirksamkeit der implementierten Risikomanagement-Regeln zu quantifizieren, wurden drei isolierte Läufe des Backtests durchgeführt, bei denen jeweils ein Filter deaktiviert wurde. Die Baseline entspricht der finalen Strategie mit allen aktiven Filtern.

MetrikBaseline (Alle Filter)Ohne Regime-FilterOhne GICS-LimitOhne Mom.-Stop
CAGR30,97 %28,13 %30,99 %31,58 %
Max. Drawdown
(S&P500: −55,19 %)
−43,11 %−62,55 %−53,08 %−53,86 %
Negative Jahre5569
Sharpe Ratio0,770,720,680,69
MAR Ratio0,720,450,580,59
Win Rate48,30 %49,03 %47,11 %49,35 %
Profit Factor1,531,521,591,43

Erkenntnisse der Isolation:

  • Regime-Filter: Die Deaktivierung erhöht den maximalen Drawdown auf −62,55 % – damit liegt er deutlich unterhalb des S&P 500-Drawdowns von −55,19 % und macht den Vorteil gegenüber Buy & Hold zunichte. Die CAGR sinkt gleichzeitig unter 29 %. Dieser Filter hat den größten Einzelbeitrag zum Kapitalerhalt.
  • Momentum-Loss-Stop: Ein Weglassen erhöht die reine Rendite minimal (31,58 %), führt aber zu deutlich mehr negativen Einzeljahren (9 statt 5) und einem unruhigeren Verlauf (MAR Ratio: 0,59 vs. 0,72).
  • GICS-Limit: Ohne Sektorbeschränkung steigt der Drawdown auf −53,08 %, da das Portfolio in Übertreibungsphasen Klumpenrisiken aufbaut und bei Branchen-Rotationen stärker getroffen wird.

Jährliche Renditeverteilung der isolierten Läufe

Abbildung A.1: Ohne Regime-Filter. In den Krisenjahren 2000 und 2008 ist der fehlende Kapitalschutz deutlich erkennbar.

Abbildung A.2: Ohne GICS-Limit. Fehlende Sektordiversifikation führt zu abweichenden Jahresergebnissen in Hype-Phasen.

Abbildung A.3: Ohne Momentum-Loss-Stop. Die erhöhte Anzahl negativer Jahre ist im Jahresvergleich sichtbar.

Disclaimer: Alle Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Optionen und Wertpapieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust führen. Wir übernehmen keine Haftung für bereitgestellte Daten. Der Autor handelt die vorgestellten Strategien ggf. selbst (Interessenkonflikt).