Stillhalten statt
Spekulieren.
Wir dokumentieren den transparenten Aufbau eines regelbasierten Optionsportfolios – von der Theorie über den Backtest bis zum Live-Trade. Mit echten Zahlen, ohne Versprechen.
Der Markt überschätzt systematisch sein eigenes Risiko.
Wer eine Aktie kauft, wettet auf eine Richtung. Wer Optionen systematisch verkauft, nutzt etwas anderes: eine empirisch messbare Marktineffizienz – die Volatilitätsrisikoprämie (VRP).
Marktteilnehmer zahlen für Absicherungsoptionen regelmäßig mehr, als die tatsächlich eingetretene Volatilität rechtfertigen würde. Der Markt preist systematisch mehr Angst ein, als sich materialisiert – und diese Differenz lässt sich vereinnahmen.
Prof. Oleg Bondarenko (University of Illinois) hat das für die CBOE über 32 Jahre quantifiziert: Von 1990 bis 2018 lag die durchschnittliche implizite Volatilität (VIX) bei 19,3 % – die tatsächlich realisierte Volatilität des S&P 500 jedoch nur bei 15,1 %. Eine systematische Differenz von 4,2 Prozentpunkten, Jahr für Jahr.
Das Ergebnis: Ein systematischer Put-Verkäufer (PUT-Index) erzielte über denselben Zeitraum nahezu identische Renditen wie ein direktes S&P 500-Investment – bei deutlich geringerem Risiko.
PUT-Index vs. S&P 500 · 2006–2018 · Quelle: Bondarenko / CBOE
Nahezu gleiche Rendite – bei deutlich geringerer Volatilität, kleinerem Drawdown und rund 23 Monate kürzerer Erholungszeit nach einem Crash.
Der PUT-Index bildet eine Strategie ab, die monatlich Delta-30-Puts auf den S&P 500 verkauft, rollt und Liquidität in T-Bills vorhält. Kein Hebel – ein regelbasierter systematischer Ansatz.
Drei Kern-Hypothesen.
Das Portfolio basiert nicht auf Meinungen oder Marktprognosen. Es basiert auf drei testbaren Thesen – jede mit einem klaren Datenpunkt belegt.
Systematisches Prämienverkaufen schlägt Buy & Hold risikoadjustiert.
Die Volatilitätsrisikoprämie (VRP) ist kein Zufall – sie ist strukturell. Wer sie konsequent vereinnahmt, erzielt über lange Zeiträume ähnliche absolute Renditen wie ein Direktinvestment in den S&P 500, aber mit nachweislich geringeren Drawdowns und kürzeren Erholungszeiten. Die Bondarenko-Studie belegt das über 32 Jahre.
Der PUT-Index ist dabei die simpelste denkbare Umsetzung dieses Prinzips. Wir bauen ihn nicht nach – wir bauen darauf auf. Komplexere Strategien wie Double Calendar Spreads oder das MESH Wheel nutzen dasselbe strukturelle Fundament, erschließen aber zusätzliche Dimensionen: bessere Risikokontrolle, positive Konvexität in Stressphasen und eine geringere Abhängigkeit von der reinen Marktrichtung. Die VRP ist der Grund, warum Optionsverkaufen funktioniert. Wie man sie vereinnahmt, ist eine Frage der Strategie.
Unkorrelierter Cashflow glättet die Gesamtportfolio-Kurve entscheidend.
Ein klassisches Aktienportfolio leidet in Crashphasen – klassisches Hedging würde helfen, kostet aber langfristig Rendite. Unser Ziel war ein anderer Weg: Optionsstrategien mit positivem Erwartungswert entwickeln, die möglichst unkorreliert zum restlichen Depot laufen. Nicht Cashflow um jeden Preis – sondern Cashflow, der strukturell unabhängig von der Marktrichtung entsteht und damit die Gesamtportfolio-Kurve glättet, ohne sie zu bremsen.
Das Ergebnis auf Monatsbasis: Das Optionsportfolio weist eine Korrelation von lediglich r = +0,083 zum S&P 500 auf. In Monaten mit negativer S&P 500-Rendite generiert es überwiegend positiven Cashflow.
Regelbasiertes Momentum funktioniert – ohne Fundamentalanalyse.
Gerd Kommer schreibt in Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs (4. Auflage, S. 249) zum Momentum-Faktor:
„Der Momentum-Faktor ist seit vielen Jahren nachgewiesen und, zumindest historisch, zweifellos sehr stark, sogar stärker als z.B. der Size- oder der Value-Faktor. Ob er systematisch bei Berücksichtigung von Kosten, Steuern und Risiko ausgenutzt werden kann, wird vielfach bezweifelt."
Diese Zweifel kenne ich – und teile sie grundsätzlich. Trotzdem wollte ich es mit einem einfachen, vollständig regelbasierten System auf Basis der Relativen Stärke nach Levy (RSL) selbst ausprobieren. Probieren geht am Ende über studieren. Dieser Ansatz ist bewusst als experimenteller Satellit positioniert – nicht als Kern des Systems. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend, aber der Zeitraum zu kurz für belastbare Schlüsse.
Wie wir es konkret umsetzen.
Jede Hypothese ist einem konkreten System zugeordnet. Die drei Systeme laufen parallel, sind aber in Funktion, Risiko und Kapitalzuweisung strikt voneinander getrennt.
Optionsportfolio
Das Herzstück. Systematisch verkaufte Prämien auf hochliquide ETF-Basiswerte – strukturiert als Cash-Secured Puts, Covered Calls (MESH Wheel) und Double Calendar Spreads.
Double Calendar Spreads sind long Vega: Sie profitieren von steigender Volatilität und schaffen damit einen natürlichen Gegenpart zu reinen Stillhalter-Positionen in Stressphasen – positive Konvexität durch Strategie-Mix, nicht durch Zufall.
Das Trägerportfolio (diversifizierte ETFs) dient als Margin-Basis. Nur ein klar definierter, konservativer Anteil der Kaufkraft wird eingesetzt – das Fundament bleibt auch in starken Rückgängen intakt.
M.E.S.H. Wheel
Eine Weiterentwicklung des klassischen Wheel-Ansatzes. Das Kapital wird in Tranchen aufgeteilt – jede Tranche läuft als eigenständiges Wheel auf einem liquiden ETF-Basiswert, niemals auf Einzelaktien.
Der entscheidende Unterschied zum klassischen Wheel: Eine fest eingebaute Hedging-Komponente nutzt einen Teil der eingenommenen Prämien konsequent für den Kauf von OTM Long Puts. Starke Kursrückgänge werden damit strukturell abgefangen – nicht reaktiv gemanagt.
RSL Momentum
Ein vollständig regelbasiertes Direktanlage-System auf Basis der Relativen Stärke nach Levy. Kein diskretionäres Stock-Picking, keine Fundamentalanalyse.
Die Umsetzung ist maximal zeiteffizient: Einmal pro Woche führt ein quantitativer Filter den Abgleich durch und generiert klare mechanische Kauf- oder Verkaufssignale für die stärksten Werte.
Das Zusammenspiel in der Praxis
Trägerportfolio und RSL-Satellit steigen. Optionsprämien fließen zusätzlich. Alle Renditequellen liefern.
Trägerportfolio stagniert. Optionsprämien sind das primäre Einkommen. Theta arbeitet am effektivsten.
Trägerportfolio unter Druck. Double Calendar Spreads und MESH-Hedge profitieren von steigender Vola und dämpfen den Gesamtverlust.
Theorie ist gut. Zahlen sind besser.
Jede Strategie muss sich über einen vollständigen Marktzyklus im Backtest beweisen – bullisch, bärisch und seitwärts. Wir verlassen uns nicht auf externe Studien allein: Jeder Ansatz wird mit historischen Marktdaten auf Robustheit geprüft, bevor er live gehandelt wird.
Alle Backtests wurden so modelliert, dass sie dem Live-Handel möglichst nahekommen: Slippage, Transaktionskosten und realistische Orderausführung sind eingepreist. Da wir ein eigenes Automatisierungsframework betreiben, können wir Abweichungen zwischen Backtest und Live-Handel laufend monitoren und die Modelle iterativ verbessern.
⚠️ Auch sorgfältig modellierte Backtests sind Vergangenheitswerte. Veränderte Marktbedingungen können zu abweichenden Ergebnissen führen. Die Zahlen dienen als Orientierungswert, nicht als Renditeversprechen.
ThetaClub Optionsportfolio · Backtest 04/2016 – 05/2026
Korrelation r = +0,083 zum S&P 500 (Monatsbasis). In Monaten mit negativer S&P 500-Rendite (linke Hälfte) generiert das Optionsportfolio überwiegend positiven Cashflow (grüne Punkte). Genau diese Eigenschaft glättet die Gesamtportfolio-Kurve – ohne das Portfolio durch klassisches Hedging dauerhaft zu belasten.
Was ThetaClub nicht ist.
Optionshandel ist kein Weg, schnell reich zu werden. Wer Optionen verkauft, übernimmt reale Risiken und trägt Verantwortung für sein Kapital. Verluste gehören zum System – nicht als Ausnahme, sondern als kalkulierter Bestandteil jeder statistischen Strategie.
ThetaClub ist keine Signalgruppe. Wir zeigen keine Trades, die man blind kopieren sollte. Wir erklären die Mechanik dahinter – damit jeder Leser versteht, was er tut und warum.
Und ThetaClub ist kein Abkürzungs-Versprechen. Der Aufbau eines funktionierenden Optionsportfolios erfordert Kapital, Zeit, Disziplin und eine ehrliche Auseinandersetzung mit eigenen Verlusten. Wer das mitbringt, findet hier einen transparenten, datengetriebenen Bauplan – und eine Community, die denselben Anspruch teilt.
Bereit für tiefergehende Analysen?
Im Lab zerlegen wir diese Konzepte in ihre mathematischen Einzelteile – mit echten Backtests, realen Trades und vollständiger Transparenz über das, was funktioniert und was nicht.
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